«Bauern, forscht selber!» Dieser Aufruf eines Bergbauern aus dem Piemont ist uns seit dem Workshop LET’S CULTIVATE DIVERSITY! in der Toskana geblieben. Er fasst zusammen, was NaturKraftWerke bis heute antreibt: Vielfalt auf dem Feld, Wissen aus eigener Erfahrung und den Mut, das eigene Urteil nicht Vorschriften und Subventionen zu überlassen.
Vier Tage Vielfalt in Peccioli
Vom 12. bis 15. Juni 2013 trafen sich auf dem Hof von Giovanni und Rosario Floriddia in Peccioli Bäuerinnen, Bauern, Müller, Bäckerinnen und Forschende. Organisiert hatte den Workshop das italienische Netzwerk Rete Semi Rurali, das sich für bäuerliches Saatgut und Agrobiodiversität einsetzt. Im Zentrum standen alte Hartweizen- und Weizensorten und ihr Weg «From Grain to Bread»: vom Korn über die Mühle bis zu Brot und Pasta.
Mit dabei waren Helma und Sepp vom Meierhof in Österreich und Antonius Conte von NaturKraftWerke. Vier Tage lang wurde gemeinsam geforscht, gelehrt und gelernt – auf dem Feld, in der Backstube und am Tisch.
Bauern, forscht selber: Was der Aufruf bedeutet
Der Satz klingt trotzig, ist aber eine Einladung. Wer jeden Tag auf seinem Acker steht, sieht Dinge, die in keinem Labor auftauchen: welche Sorte mit Trockenheit zurechtkommt, welche Kulturen sich gegenseitig stützen, wie ein Getreide schmeckt, wenn es langsam wachsen darf. Dieses Wissen entsteht nur, wenn Bauern selber beobachten, vergleichen und ihr Saatgut weitergeben.
Der Bergbauer aus dem Piemont sagte es deutlich: Lasst euch nicht von Vorschriften einschränken und von Subventionen korrumpieren. Gemeint ist nicht, Regeln zu missachten. Gemeint ist, die eigene Beobachtung ernst zu nehmen und die Verantwortung für den Boden nicht abzugeben.
Nah an Fukuoka und der Makrobiotik
Der Gedanke erinnert stark an Masanobu Fukuoka (1913–2008). Der japanische Pflanzenforscher verliess die Versuchsstation und wurde Bauer, um auf seinem eigenen Land zu beobachten, was die Natur von sich aus tut. In seinem Buch «Der grosse Weg hat kein Tor» («The One-Straw Revolution») beschreibt er seine natürliche Landwirtschaft: nicht pflügen, keine Chemie, so wenig eingreifen wie möglich. Seine Methode entstand nicht am Schreibtisch, sondern aus jahrzehntelangem Hinschauen. Bauern, forscht selber – Fukuoka hat es vorgelebt.
Auch die Makrobiotik denkt in diese Richtung. Sie stellt das ganze Korn ins Zentrum der Küche und fragt, was zur Jahreszeit und zur Gegend passt. Feld und Teller gehören zusammen. Für uns ist das keine Lehre mit Regeln, sondern eine Haltung: Wer vielfältig anbaut, kann auch vielfältig kochen.
Was das mit NaturKraftWerke zu tun hat
Diese Haltung prägt unsere Arbeit bis heute. Wir setzen auf Mischfruchtanbau, bei dem verschiedene Kulturen gemeinsam auf einem Feld wachsen und sich gegenseitig stützen. Wie das konkret aussieht, liest du im Beitrag Kraftmüesli aus Mischfruchtanbau. Und wir arbeiten mit Bäuerinnen und Bauern, die wir persönlich kennen und die oft selber tüfteln und forschen.
Dazu gehört auch, das Geerntete ganz zu nutzen. Wie wir das in der Ölmühle umsetzen, zeigt der Beitrag Vollverwertung: Warum bei uns kaum etwas übrig bleibt. Produkte aus Mischfruchtanbau und von unseren Partnerhöfen findest du im NaturKraftWerke-Shop.