In der EU dürfen Pestizide, genauer gesagt ihre Wirkstoffe, heute nur befristet eingesetzt werden. Nach Ablauf der Zulassung werden sie nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft neu geprüft. Genau dieses Prinzip steht jetzt zur Diskussion.
Pestizide: Was die EU plant
Die EU-Kommission hat ein Vereinfachungspaket vorgelegt. Es sieht vor, dass viele Wirkstoffe künftig ohne festes Ablaufdatum zugelassen werden können. Die regelmässige Neubewertung würde damit für einen grossen Teil der Stoffe wegfallen.
Der Rat der EU will dagegen befristete Zulassungen für die meisten Wirkstoffe beibehalten, mit längeren Fristen als heute. Das EU-Parlament muss seine Position noch festlegen. Bis zu einer Einigung gelten die heutigen Regeln.
Pestizide in Zahlen
Eine Datenanalyse des Bayerischen Rundfunks (BR) vom 7. Oktober zeigt: Seit 2011 mussten 241 Wirkstoffe neu geprüft werden. 56 dieser Pestizide haben die Prüfung nicht bestanden, die meisten wegen neu erkannter Risiken für Mensch oder Umwelt.
Wissen verändert sich also. Was vor zwanzig Jahren als unbedenklich galt, kann heute anders bewertet werden. Die Kommission argumentiert ihrerseits, dass die vielen Prüfungen viel Personal und Geld binden und die Zulassung neuer Wirkstoffe verzögern.
Zwei berechtigte Anliegen
Hier treffen zwei Anliegen aufeinander, die beide ihre Berechtigung haben. Weniger Bürokratie wünschen sich Bauern, Behörden und auch wir in der Lebensmittelbranche. Gleichzeitig will niemand, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse unbeachtet bleiben. Eine gute Lösung verbindet beides: einfachere Verfahren und Vorsorge, die mit dem Wissen Schritt hält.
Bio: ohne chemisch-synthetische Pestizide

Im Biolandbau stellt sich diese Frage gar nicht erst: Chemisch-synthetische Pestizide sind nicht erlaubt. Stattdessen setzt Bio auf vielfältige Fruchtfolgen, robuste Sorten, Nützlinge und gesunde Böden. Demeter geht noch weiter und versteht den Hof als geschlossenen Kreislauf.
Für NaturKraftWerke ist das ein zentraler Grund, warum wir auf Bio- und Demeter-Qualität setzen und mit Methoden wie dem Mischfruchtanbau experimentieren. Unsere Bio-Zertifizierung wird jedes Jahr von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft.
Wir verfolgen die Verhandlungen in Brüssel weiter und berichten hier, wenn es Neuigkeiten gibt.
Quelle: Münster Aktuell, 8.10.2026, basierend auf einer Datenanalyse des BR